
Auch an der Adria ist scatt-mässig was los:
19. Oktober 2026Ein Bericht von Schumer Mike:
Zwei Wettfahrten, zwei Siege und eine außergewöhnliche Segelsaison. Das Team NABASTE Attersee um Michael Schumer gewinnt den Croatia Coast Cup 2026 – zum dritten Mal ein großer Erfolg bei den Pitter-Herbstregatten und zum zweiten Mal in Folge der Gesamtsieg in der Einheitsklassenwertung. Im Mittelpunkt stehen neben dem sportlichen Erfolg vor allem die Menschen dahinter.
Im Oktober zieht es NABASTE vom Attersee wieder hinaus auf die Adria – und die Vorfreude könnte kaum größer sein. Die Pitter-Herbstregatten, bei denen sich Croatia Coast Cup und Offshore Challenge im Zweijahresrhythmus abwechseln, gehören längst zu den Höhepunkten im Segelkalender. Alte Freunde wiedersehen, neue Bekanntschaften machen, gemeinsam Wetterkarten studieren und erste taktische Ideen spinnen. Die Stimmung ist schon vor dem ersten Start großartig. Und spätestens an der Startlinie wird aus dem herzlichen Wiedersehen ein sportlicher Schlagabtausch. Denn so sehr man sich aufeinander freut, auf dem Wasser schenkt man sich keinen Meter.
Vom 10. bis 16. Oktober führte der Croatia Coast Cup 2026 von Biograd auf die Insel Rab und wieder zurück. 28 Yachten aus fünf Nationen und rund 200 Seglerinnen und Segler waren mit dabei. Auf dem Programm standen zwei anspruchsvolle Mittelstrecken mit insgesamt rund 250 Seemeilen, Nachtfahrten, wechselnden Windbedingungen und reichlich taktischen Möglichkeiten.
NABASTE ging erneut auf zwei Dufour 41 Performance an den Start. Michael Schumer steuerte mit seiner Crew die *Vojvotkinja*, Manuel Kofler die *Vikonteza*.
Die Nacht macht den Unterschied
Bereits die erste Wettfahrt von Biograd nach Rab über rund 90 Seemeilen brachte den ersten Erfolg. Nach dem Start am Sonntag bei auffrischender Bora mit zeitweise 15 bis 20 Knoten ließ der Wind in der Nacht deutlich nach. Taktische Entscheidungen, Windbeobachtung und vor allem Geduld wurden zunehmend wichtiger.
NABASTE erwischte die Windfelder gut und erreichte nach 19 Stunden, 43 Minuten und 18 Sekunden als **erstes Schiff des gesamten Teilnehmerfeldes** den Hafen von Rab.
Die zweite Etappe führte auf einem rund 160 Seemeilen langen Kurs zurück nach Biograd. Erneut waren es vor allem die Nachtstunden, in denen NABASTE entscheidende Plätze gutmachen konnte. Während andere Teams in Flautenfeldern festsaßen, gelang es der Crew wiederholt, die schwachen Windzonen rechtzeitig zu erkennen und zu umfahren. Die Aufmerksamkeit an Bord blieb auch nach vielen Stunden auf See hoch.
Nach 25 Stunden, 18 Minuten und 42 Sekunden war die *Vojvotkinja* auch auf der Rückfahrt als erste Dufour 41 Performance im Ziel. Diesmal mit 44 Minuten und 24 Sekunden Vorsprung auf den nächsten Klassenkonkurrenten.
**Zwei Wettfahrten, zwei erste Plätze, zwei Punkte in der Gesamtwertung.** Damit gewann NABASTE nicht nur seine Klasse, sondern auch die gemeinsame Einheitsklassenwertung der Dufour 41 Performance und Bavaria Cruiser 46 und sicherte sich erneut den begehrten EHK-Wanderpokal.
Die Erfolgsgeschichte bei den Pitter-Herbstregatten begann bereits 2021, als NABASTE im Rahmen der Offshore Challenge den österreichischen Staatsmeistertitel ORC Hochsee gewinnen konnte. 2025 folgte der erste Sieg in der gemeinsamen EHK-Wertung, 2026 nun die erfolgreiche Titelverteidigung. Drei große Erfolge bei den Pitter-Herbstregatten, zwei davon in unmittelbarer Folge.
Eine ziemlich eindeutige Angelegenheit. Zumindest auf dem Papier.
Wenn die Mannschaft übernimmt
Ganz so selbstverständlich war der Erfolg nämlich nicht. Schumer war am Tag vor Regattabeginn erkrankt und gesundheitlich alles andere als in Bestform. Umso wichtiger wurde eine Mannschaft, die sich mittlerweile bestens kennt und auch ohne große Ansagen funktioniert.
Aufmerksam bleiben, Verantwortung übernehmen, füreinander mitdenken. Gerade bei längeren Nachtfahrten zeigt sich, was eine eingespielte Crew ausmacht. Wer gerade unter Deck ist, kann sich auf die anderen verlassen. Wer an Deck arbeitet, weiß, dass er nicht allein ist.
Dieser Zusammenhalt ist über Jahre gewachsen und vermutlich einer der Gründe, warum NABASTE gerade auf langen Distanzen so erfolgreich segelt. Der Teamgeist ist dabei kein Ersatz für seglerisches Können, sondern die Voraussetzung, es auch nach zwanzig oder dreißig Stunden noch abrufen zu können.
2026 Eine Saison, die sich sehen lassen kann
Der Erfolg in Kroatien bildete den Abschluss einer außergewöhnlichen Saison 2026. Auf dem heimischen Attersee gewann NABASTE den Attersee Cup und die österreichische Bestenliste der Surprise-Klasse. Bei der Staatsmeisterschaft ersegelte sich die Crew punktegleich mit dem Sieger den Vizestaatsmeistertitel.
Auch international war das Team unterwegs: Bei der Europameisterschaft der Surprise-Klasse im französischen Saint-Raphaël traf NABASTE auf ein stark besetztes Feld und anspruchsvolle Bedingungen. Erfahrungen, die sich nicht allein in einer Ergebnisliste abbilden lassen.
Miteinander. Gegeneinander.
Was NABASTE über die Jahre besonders geprägt hat, sind die Freundschaften, die weit über die eigene Crew hinausreichen. Aus sportlichen Konkurrenten wurden Freunde, aus zufälligen Begegnungen langjährige Verbindungen. Mittlerweile trifft man sich nicht nur bei Regatten, sondern besucht einander, plant gemeinsame Projekte und freut sich auf das nächste Wiedersehen.
Auf dem Wasser wird trotzdem um jeden Meter gekämpft. Man schenkt sich nichts, beobachtet die anderen genau, versucht den besseren Windstrich zu erwischen oder die klügere taktische Entscheidung zu treffen. Und im Ziel freut man sich nicht nur über den eigenen Erfolg, sondern kann genauso ehrlich mit den anderen feiern.
Vielleicht ist genau das der Kern des NABASTE-Spirits: **Sich über die Erfolge anderer ebenso freuen zu können wie über die eigenen.**
Dazu gehört auch das gesellige Leben abseits der Regattabahn. Wo NABASTE anlegt, sind eine Gitarre, ein paar Lieder und die eine oder andere längere Nacht meist nicht weit. Gute Stimmung gehört genauso zum Programm wie das sportliche Segeln. Und wer dazukommen möchte, ist willkommen.
Es sind diese Begegnungen, die bleiben. Segelfreundschaften zwischen Österreich, Deutschland, Polen, der Ukraine, Lettland und vielen weiteren Ländern. Menschen, die einander sonst vielleicht nie begegnet wären und nun Jahr für Jahr gemeinsam um die Tonnen segeln, diskutieren, lachen und feiern.
Nach der Saison ist vor der Saison
Nach fünf Jahren durchgehender Teilnahme am Wintercup gönnt sich NABASTE heuer erstmals eine Pause. Zeit, das Material zu pflegen, die Saison Revue passieren zu lassen und vielleicht auch einmal ein Wochenende ohne Wetterbericht zu verbringen.
Wobei Letzteres vermutlich nicht lange funktionieren wird.
Die Vorbereitungen für 2027 laufen jedenfalls schon. Neue Projekte, neue Reviere und neue gemeinsame Herausforderungen sind bereits in Planung. Und natürlich gibt es genügend offene Rechnungen auf der Regattabahn – im besten sportlichen Sinn.
Unterstützt wurde das Team von langjährigen Partnern und Freunden: **Ropes.Expert, VB-Kaffee, Yachtagentur Haslinger, SCATT** und vielen Wegbegleitern, die das NABASTE-Projekt seit Jahren fördern und begleiten.
Miteinander gegeneinander… und eine gehörige Portion Spaß und Selbstironie…
Das ist NABASTE. Und daran wird sich auch 2027 wenig ändern.














